Seines Glückes Schmied sei jeder selbst

Wir hatten ja nüscht, früher. Und das, was wir hatten, war nüscht wert. Dachten wir. War natürlich auch wieder Quatsch. Wir hatten zum Beispiel einen Katalytofen, den mein Vater abends vor klirrend kalten Nächten in den Trabi gestellt hat, damit es morgens, wenn wir zur Oma fahren wollten in der Karre schön warm war. Ich weiß nicht mehr, ob es funktioniert hat. Wahrscheinlich nicht. Dann hatten wir noch einen funkelnagelneuen Bahnheizkörper, mit dem wir es in unserem Gartenhaus, das wir auch hatten, ein bisschen warm machen konnten. Man konnte auch Brötchen darauf aufbacken. Also eigentlich hatten wir alles, damals. Wir wußten es nur einfach nicht.
Schuld daran, dass wir nüscht hatten, waren Partei und Regierung. Nur einige wenige Überzeugte hätten gewusst, dass natürlich der Westen daran schuld war, wenn sie gewusst hätten, dass sie nüscht hatten. Aber das wussten die Überzeugten nicht. Die dachten nur, dass sie alles hätten, aber gewusst haben die das auch nicht. Heute will ja keiner mehr irgendwas gewusst haben, aber das kann ja auch nicht stimmen. Wir dachten, wir wüssten wer schuld ist und dachten auch, gegen die kann man nun mal nichts machen. Darum haben wir nichts gemacht und darum ging es uns eigentlich ganz gut.
Denen, die heute denken, dass sie wüssten, wer daran schuld ist, dass sie nichts hätten, geht es überhaupt nicht gut. Weil sie nämlich glauben, sie müssten was machen. Das tun sie aber nicht, weil sie ja auch alles haben und es einfach nur nicht wissen. Und dagegen kann man nun wiederum gar nichts machen. Man könnte sagen: "Was wollt ihr denn? Ihr habt doch alles!" Aber dann werden sie wütend und es geht ihnen noch schlechter. Na und wir? Uns geht's immer noch gut. So gut wie nie zuvor. Mit unserer Regierung sind wir auch nicht glücklich, aber dafür, uns glücklich zu machen, ist eine Regierung auch nicht da. Demokratisch legitim soll sie sein und seines Glückes Schmied sei jeder selbst.
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