Auf den Spuren lang vergang'ner Tage
Nun also Berlin. Was soll ich denn nur in Berlin schreiben? Reinhard Mey hatte ein schönes Berlin-Lied, eines von vielen, bei dem sich erst in der letzten Zeile der letzten Strophe aufklärte, dass es um Berlin geht. Ich durfte es immer um Mitternacht auf Axels legendären Geburtstagpartys singen, was schwer war, weil ich vorher nichts trinken durfte. Sonst konnte ich keine Texte mehr. Jedenfalls sang ich "Du tuuuust mir weeeehhhhhh" und die Mädchen mussten ein bisschen weinen, weil alle dachten, ich singe über meine verflossene Liebe. Ja, ein schönes Lied, aber so nah habe ich Berlin dann doch nicht an mich herangelassen, dass es mir wehgetan hätte.
Berlin war eigentlich immer weit weg. Erst 1989 kam es näher, aber da war ich selbst schon in die Stadt gezogen. Nach Weißensee. Vorher mussten wir immer um Westberlin herumfahren und kamen dann nach einer Stunde mit Bus und S-Bahn nach Pankow oder in die Schönhauser Allee. Am Alexanderplatz befand sich das Presse Cafe. Nach 1989 konnten wir Tante Hannelore in Lichterfelde besuchen und ich besuchte die Evangelische Fachhochschule in Dahlem. Da wohnte ich aber schon wieder in Hennigsdorf und fuhr im Frühjahr und im Herbst mit dem Fahrrad nach Frohnau und von dort mit der S-Bahn nach Lichterfelde-West.
Als ich meine schöne Frau kennenlernte, wohnte sie in Charlottenburg. Wir saßen gern in einem Ausschank am Spreeufer und tanken Bier oder Wein. Das will ich auf jeden Fall noch mal mit ihr machen. Einen langen Sommerabend allein mit ihr dort sitzen und dann zu Fuß zusammen nach Hause gehen. Benommen taumeln, zufrieden, in den kühlen Morgenhauch. Auch ein Lied von Reinhard Mey, das so weitergeht:
Ich wäre besser nie zurück gekommen. Heut ist es eine Kneipe, wie hundert and're auch. So töricht, wie die Zeiger der Uhren anzuhalten und zurück zu dreh'n, so töricht ist es auch, auf den Spuren lang vergang'ner Tage zu geh'n.
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