Bevor die Schule losgeht
Ferienlager! Ich kann mich daran erinnern, wie wir meinen großen Bruder zum Bus gebracht haben. Er sah nicht sehr glücklich aus. Ihm wurde immer schlecht. Dann war ich selbst irgendwann dran und das Schlimmste war tatsächlich die Busfahrt. Hoffentlich kein alter Ikrarus! Dann ging es einigermaßen. Im Lager schliefen wir in Bungalows. Die Betreurinnen waren meistens junge Frauen, die abends Heimweh-Pillen verteilten. Ich schrieb Briefe nach Hause und wartete jeden Tag auf Post. Wir blieben zwei oder drei Wochen. Einmal trat ich beim Baden in ein Loch im Steg und verstauchte mir den Knöchel. Heute würde man wahrscheinlich abgeholt werden. Damals schickte ich eine Zeichnung nach Hause, wie ich kopfüber am Steg hing.
Einmal waren wir sogar in Tschechien im Ferienlager. Dafür brauchte ich einen Kinderausweis. Ich freundete mich mit einem tschechischen Jungen an und lernte ein bisschen tschechisch. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es mir viel ausgemacht hätte, von meinen Eltern getrennt zu sein. Vielleicht ist das für ein Kind wirklich nicht so schlimm, wie möglicherweise für die Eltern.
Unser großes Kind geht jetzt schon mal in den Hort, bevor nächste Woche die Schule losgeht. Eine Frau, die wir beide nicht kannten, nahm ihn am Eingang in Empfang, wo ein Schild stand: Ab hier kommen wir alleine zurecht. Oder so ähnlich. Quasi amputiert stolperte ich zurück zum Parkplatz und fuhr das leere Auto nach Hause, in dem eben noch drei Kinder saßen. Was soll ich jetzt anfangen? Meine schöne Frau hat mir ein paar Aufgaben gegeben, die ich lustlos abgearbeitet habe. Seitdem sitze ich aphatisch herum und warte darauf, die Kinder wieder abzuholen. Zum Glück gibt es keine Ferienlager mehr, in denen die Kinder drei Wochen lang verschwinden. Wie haben unsere Eltern das bloß ausgehalten?
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