Die Angst vorm Sterben

Ich wollte Schauspieler werden. Meine Mutter hatte mich beim Pioniertheater angemeldet und meine erste Rolle war der Durchbruch: Oberon, König der Feen und Elfen. Meine Frau hieß Titania (Kathrin) und mein Kobold Puck (Conny). Die Mädchen vom Ballet tanzten für mich und mit einem Fingerschnippen waren sie wieder verschwunden, wenn ich genug von ihnen hatte. Ein Sommernachtstraum. Danach ging es allerdings bergab. Ich spielte noch einen Ziegenbock und wurde für die Rolle eines pickeligen Jungen im Jugendstück P14 besetzt. Das Stück wurde allerdings nie aufgeführt, weil sich der Autor in den Westen abgesetzt hatte.

Trotzdem wollte ich Schauspieler werden. Zum Glück kam es aber nicht zu einer Bewerbung, der dann wahrscheinlich eine Aufnahmeprüfung gefolgt wäre. Vielleicht, weil ich kein Abitur machen durfte. So endete meine Bühnenkarierre ziemlich abrupt, noch bevor sie so richtig angefangen hatte. Joachim Meyerhoff hatte nicht soviel Glück und ist schließlich auch Schauspieler geworden. Und außerdem Schriftsteller. Er bekam es früh mit sich selbst zu tun, mit dem Leben und mit dem Tod.

Wenn Älterwerden und Sterben langsamen Verfall und Siechtum bedeuten, dann habe ich Angst davor. Bis jetzt beschränkt sich körperlicher Abbau bei mir auf das Sehvermögen und auch das nur minimal. Es stört ein bisschen, aber es macht mir eigentlich nichts aus. Wenn ich mich aber nicht mehr bewegen könnte, wie ich möchte oder nicht mehr essen und trinken, was ich will - ich würde wahrscheinlich sehr darunter leiden. Beide Elternteile hatten so eine Zeit durchzustehen, bis sie erlöst wurden, meine Mutter fast zehn Jahre. Bei meinem Vater ging es etwas schneller. Warum werden wir alt und hinfällig? Warum schläft man nicht einfach friedlich ein, wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind und ihrer Wege gehen?

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