Doch noch eine andere Lösung

Große Küche mit weißen Schränken und Herd, auf dem zwei Töpfe stehen. Ein Mann in gestreiftem Pullover hält eine Flasche und schaut zur Kamera, eine Frau mit Schürze und rotem Oberteil steht mit dem Rücken zur Kamera am Spülbecken.

Die mit der Verliebtheit einhergehende anfängliche Begeisterung für die Interessen des erwählten Mannes geht bei der Frau im Verlaufe einer Ehe oder eheähnlichen Partnerschaft zunächst in Gleichgültigkeit über, dann fließend in einen Zustand der Duldung, bis mit genervtem Augenverdrehen schließlich ein dauerhaftes Endstadium erreicht ist. Freilich gibt es auch Abweichungen von dieser Regel. So kann sich das genervte Augenverdrehen auch zu ausgeprägtem, heftigem Widerstand auswachsen, womit die Beziehung dann in eine ernsthafte Krise geraten kann. Damit es nicht soweit kommt, ist man als Mann gut beraten, feinfühlig den gerade beschriebenen Veränderungen nachzuspüren und das eigene Verhalten entsprechend anzupassen. Leider sind Männer nur selten dazu in der Lage, da sie eher dazu neigen, das eigene Verhalten als normativ und nicht mehr veränderungsbedürftig anzusehen.

Oder kurz: Man muss wissen, wie weit man gehen kann, ohne den Bogen zu überspannen. Mir fällt das nicht weiter schwer, denn ich werde schon bald aus Zeitgründen nicht mehr in der Lage sein, meinen vielfältigen Interessen und Neigungen nachzugehen. Da die Bildung und Erziehung unserer Kinder tagsüber regelmäßig durch öffentliche Einrichtungen sichergestellt wird, kann ich nun wieder - so ist es in diesem Lande Brauch - meine Haut zu Markte tragen. Alle Vorstellungen über die Konsequenzen eines solchen Schrittes nutzen nichts: Die Familie muss am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, wenn der Vater wieder in aller Herrgottsfrühe das Haus verlässt.

Ja, wir hätten es in der Hand gehabt, unser Leben bequem und auskömmlich zu gestalten. Aber schlechten Angewohnheiten entkommt man nicht leicht von selbst und für eine gründliche Entwöhnung war die Zeit der Abstinenz offensichtlich zu kurz. Es hilft eben nichts, sein Leben nur quasi symbolisch für eine begrenzte Fastenzeit zu ändern und danach weiterzuleben, als wäre nichts gewesen. Aber wer weiß, vielleicht findet sich in diesen letzten Oktobertagen doch noch eine andere Lösung, als fünf Tage in der Woche mit der Eisenbahn zur Arbeit zu fahren.

By on

alltag maenner erwerbsarbeit

Reply by email

📬 Neue Beiträge per E-Mail

Wenn Ihnen dieser Beitrag gefallen hat, können Sie neue Nachrichten vom liedersaenger bequem per E-Mail erhalten.

Maximal eine E-Mail pro Tag – und nur, wenn ein neuer Beitrag erscheint.

Newsletter abonnieren RSS-Feed

⬅ Vorheriger Beitrag
Der Uhrmacher