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Drachenzeit

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Die Legende von Paul und Paula ist ein Film von Ulrich Plenzdorf aus dem Jahr 1973. Ein Lied aus dem Film ist der Titel "Geh zu ihr (und lass deinen Drachen steigen)". 

 

Ich habe vor Jahren für zehn Euro einen Drachen gekauft, ganz normal, eine Raute mit einem lustigen Gesicht. Letzten Sonntag dachten wir, es geht doch schöner Wind, da lassen wir ihn ein bisschen fliegen. Keine Ahnung wie das passieren konnte, aber am Ende stand ich allein auf der Drachenwiese und versuchte, den Drachen irgendwie am Himmel zu halten. Es hat schon etwas Herausfordendes, wenn man sich unten abrackert und von oben derart frech angegrinst wird. Ich brüllte: "Hör auf zu grinsen und flieg, du Drecksdrachen!" Aber der Drachen grinste weiter und krachte kopfüber auf die Erde zurück. Ich packte zusammen und trollte mich, denn die Familie war schon lange wieder zu Hause.

Ich weiß gar nicht, ob Drachen-steigen-lassen eine offizielle Sportdisziplin ist. Es könnte darum gehen, wer sein Fluggerät am längsten in der Luft halten kann. Man kann immerhin einiges machen, um einen Absturz zu verhindern: An der Leine ziehen, die Leine länger lassen, in den Wind drehen. Es ist vielleicht ein bisschen wie Segeln. Wie gesagt, ich weiß es nicht. Mein Vater hat mal einen Kastendrachen gebaut. Das hat eine Weile gedauert, es wurde geleimt und verschnürt. Ich glaube, er hat ihn auch selbst steigen lassen und zwar auf der großen Freifläche hinter unserem Wohnblock, die sonst als Rummelplatz oder uns als Riesen-Sandkasten diente. Im Herbst stiegen dort die Drachen.

Man sollte besser schon so einen Foliendrachen aus dem Westen gehabt haben, mit Raubvogel-Motiv. So was konnte man sich schicken lassen, wenn man die entsprechende Verwandschaft hatte. Aber so ein selbst gebauter Kastendrachen machte natürlich auch etwas her. Vor allem, wenn er herunterkrachte. Dann gab es Kleinholz. Ich kann mich nicht erinnern, ob unser Drachen so ein Ende fand oder ob er ganz und gar schmählich eines Tages im Müll landete. Gegrinst hat er jedenfalls nicht.

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