Endlich mal wieder reden

Offener Kofferraum eines dunklen Fahrzeugs, im rechten Bereich ein grauer, plastikverpackter Kasten oder Karton mit weißen Sternen, darüber eine durchsichtige Folie mit kleinen lila Blumen. Linke Seite gefüllt mit einer roten Einkaufstasche mit bunten Figuren, einem grünen Rucksack, einem braunen Gürtel und weiteren Taschen; in der oberen Ablage liegen mehrere gefaltete Kleidungsstücke, drei Kopfstützen sind sichtbar.

In den Urlaub fahren ist eine kleine Reminiszenz an eine nomadische Lebensweise. Für eine Woche oder zwei befindet sich alles, was man besitzt im Kofferraum der Familienkutsche und muss nur in die jeweiligen Unterkünfte hineingetragen werden. Oder aus ihnen hinaus. Diese Aufgabe fällt immer noch mir zu. "Wenn wir fünf Kinder hätten," sagte ich zu meiner schönen Frau "könnten wir jetzt eine Menschenkette bilden und ich müsste nicht so oft hin und her rennen!" "Wenn wir fünf Kinder hätten," sagte meine schöne Frau und lächelte fein "dann würden wir wahrscheinlich gar nicht in den Urlaub fahren und ich wäre Witwe und unsere Kinder Waisen."

Das hat sie natürlich nicht gesagt, sondern nur fein gelächelt. Aber manchmal stelle ich mir eben vor, was ich zu hören bekäme, wenn sie etwas gesagt hätte. Ich musste auch gar nicht so oft hin und her rennen und konnte sogar noch die Laufräder einladen. Offenbar ist die Gepäckorganisation für unsere Urlaube effizienter geworden. Damit habe ich selbst eher weniger zu tun. Das ist auch besser so, sonst sähe die Gepäckliste aus, wie bei "Dr. Brumm geht zelten". Ich habe genug damit zu tun, meine Habseligkeiten zusammen zu packen. Außerdem bin ich für Ladekabel und die dazughörigen Netzteile zuständig.

Dass die Kinder etwas anzuziehen haben und auch dass während der Fahrt keine Meuterei ausbricht, grenzt immer wieder an ein Wunder. Für Letzteres muss ein spezieller Futterrucksack gepackt werden. Für die aktuelle Reise bekam ich zum ersten Mal die Aufgabe übertragen, ein Abspielgerät mit verschiedensten Hörspielfolgen zu bestücken. Der Schüler hat jetzt Kopfhörer, um seine eigenen Hörspiele anzuhören, während die Mittlere weiterhin über Lautsprecher hört. Wir wollten damit den immer scheiternden Einigungsprozess umgehen. Natürlich funktioniert das nicht, weil ich ja die Lautstärke für die Kopfhörer begrenzt habe und das zweite Hörspiel aus den Lautsprechern dann stört. Auf zukünftigen Autofahrten werden also alle drei Kinder was auf den Ohren haben. Und meine schöne Frau und ich können endlich mal wieder miteinander reden.

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📝 2026-10-12 17:09