Ergo sum
Wer bloggt, der zweifelt. Wozu das alles? Liest das jemand? Warum antwortet keiner? Decartes "cogito, ergo sum" ließe sich auch mit "Ich zweifle, also bin ich" übersetzen. Ja, man müsste es sogar so übersetzen, denn im Kontext soll ja mehr oder weniger bewiesen werden, dass das Zweifeln unanzweifelbar ist. Was zu beweisen war - denn wer seinen eigenen Zweifel anzweifelt, zweifelt ja schon wieder. Wer also nicht weiß, ob er überhaupt bloggt und ob er mit seiner Bloggerei etwas bewirkt, der bewirkt doch wenigstens den ihn bis zur Verzweiflung treibenden Zweifel am seiner Tätigkeit. Ergo sum.
Ich musste am Morgen meine Hausarzt-Praxis aufsuchen, um mir ein Rezept zu holen. Die Schwester hatte gerade ein paar gefaxte Rezept-Anforderungen in der Hand. Auf einer stand "Andickpulver", wie sie mit spezieller Betonung vorlas. Meine Schlagfertigkeit lässt am Morgen noch sehr zu wünschen übrig. Aber hinterher ist mir eine kleine Replik dazu eingefallen: "Manche wollen abnehmen, andere andicken." Naja. Zu spät. Aber dieses kleine Beispiel sollte kurz veranschaulichen, warum ich blogge. Wie soll ich denn wissen können, was ich denke? Doch nur, indem ich es aufschreibe. In dem Moment kann ich es lesen. Nur darum geht es. Ergo sum.
Natürlich lese ich es nicht noch einmal. Ich habe neun Bücher mit Blogtexten gemacht. Ich habe sogar Lesungen damit durchgeführt und es gab auch ein paar Leute, die das unterhaltsam fanden. Da dachte ich auch noch, ich schreibe, um zu unterhalten. Alles falsch. Ich schreibe, weil ich es kann und um Gedanken zu fixieren, sichtbar zu machen, um sie verfolgen zu können. Gedanken, bei denen sonst in Zweifel stünde, ob ich sie wirklich jemals gehabt habe. Gedanken, die immer wieder kämen und sich für neu und originell ausgäben. Gedanken, die eben nicht alle ausgesprochen werden können, weil ich sonst unaufhörlich vor mich hinplappern müsste. Darum schreibe ich. Ergo sum.
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