Ich bin Schuld
Der Barendorfer Strand ist der von unserer derzeitigen Unterkunft am schnellsten erreichbare Ostseestrand an der Lübecker Bucht. Man erreicht ihn bequemerweise mit dem Auto, welches man auf einem geräumigen Parkplatz abstellen kann, der selbstverständlich bewirtschaftet und gebührenpflichtig ist. Es tut nun nichts zur Sache, welches Familienmitglied der Meinung war, außerhalb der Saison entfalle die Gebühr. Mir war klar, dass diese Behauptung in die Katogorie "nach 20:00 Uhr wird nicht mehr kontrolliert" gehört. Aber wenn ich nun einfach den Parkschein gelöst hätte, wäre ich der Dödel gewesen, der ohne Not drei Euro in Parkuhren wirft.
Also dachte ich mir, ich lasse es drauf ankommen und statuiere sozusagen ein Exempel. Denn mit Parkschein hinterlässt eine Kontrolle desselben keine Spuren und das lässt einen leicht glauben, man hätte sich das Geld für dessen Erwerb sparen können. Freilich kann so nur argumentieren, wer glaubt, man bezahle nur für die Kontrolle. Dass es ein berechtigtes Interesse sein könne, für das Abstellen eines Kraftfahrzeuges auf öffentlichem Gelände Geld zu verlangen, verlangt von dem, der dieses Geld bezahlen soll, schon eine gehörige Abstraktionsleistung. Ich bin dazu ohne Weiteres in der Lage, weil ich den Besitz von Geld ohnehin grundsätzlich ablehne und immer auf der Suche nach Möglichkeiten bin, es loszuwerden.
Aber ich weiß auch, dass nicht jeder so veranlagt ist und akzeptiere das Bedürfnis, Geld zu sammeln und anzuhäufen. Eigentlich kommt es mir ja auch entgegen und stellt eine willkommene Ergänzung dar. Als wir zum Auto zurück kamen, war mein Plan auch insoweit aufgegangen, dass eine amtliche Aufforderung zur Zahlung eines Verwarngeldes unter dem Scheibenwischer hinterlassen worden war. Der andere Teil, der das Eingeständnis eines Irrtums nach sich gezogen hätte, hat natürlich nicht funktioniert. Denn Schuld zu sein, gehört nun mal ganz eindeutig in meinen Kompetenzbereich.
By
liedersaenger.de on