Irgendwo dazwischen
Wir können ja jetzt nur noch in den Ferien Urlaub machen. Als wir noch kein Schulkind hatten, haben wir peinlichst darauf geachtet, nur außerhalb der Schulferien zu verreisen. Als ich noch gar keine Kinder hatte, wusste ich gar nicht, wann gerade Ferien sind. Wenn ich überhaupt verreiste, dann ließ ich mir von so einer willkürlichen Festlegung wie den Schulferien nicht diktieren, wann ich in die weite Welt hinausziehen wollte. Aber nun sieht unser Schulkind seinen ersten Schulferien entgegen und wir unserem ersten Ferienurlaub.
Ja, so ist das eben. Der letzte Urlaub ist noch gar nicht so lange her, aber alles ist schon wieder vergessen. Was denn überhaupt? Es war doch schön! So werden wir auch das ganze lange vergangene Leben sub specie aeternitatis bewerten: Es war doch schön gewesen. War es ja auch. Es ist nur schade, dass es immer erst hinterher schön ist und nie dann, wenn es passiert. Aber selbst das hat seinen Sinn: Wenn nämlich der Augenblick schön ist, will man in ihm verweilen und kommt quasi nicht mehr aus ihm heraus. So versäumt man den nächsten schönen Augenblick. Und außerdem würde man das Glück in diesem einen Augenblick vielleicht aufbrauchen und nichts bliebe übrig, was man erinnern könnte, wenn es mal notwendig wird.
Und das wird es. Früher oder später. Wenn es dunkel und einsam um einen wird, braucht man Glück, das man erinnern kann. Glück, das man nicht als solches erkannt hat, als es einem widerfuhr und das sich darum noch ganz ursprünglich und unverbraucht anfühlt. Solche Glücksmomente werden wir nun also wieder einsammeln. Das bedeutet Stunden auf Autobahnen zuzubringen, nicht enden wollende Nächte und Tage mit quengelnden, greinenden Kindern. Das Glück versteckt sich irgendwo dazwischen.
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