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Kein Platz für zwei

Schreiben, so sage ich immer, schreiben bedeutet in erster Linie löschen. Natürlich kann man nur löschen, was man vorher auch hingeschrieben hat, das ist ja klar. Aber dann geht es auch schon los: Drei Zeilen schreiben, zwei Zeilen löschen. Vier Schritte vorwärts, drei zurück. Was am Ende des Tages übrig bleibt, kann man dann lesen. Was niemand mehr zu Gesicht bekommt, sind die ungezählten Sätze und Worte, die gelöscht wurden. Was wird aus ihnen? Führen sie ein unheilvolles Schattendasein in einer Scheinwelt? Es verhält sich mit ihnen ja nicht so, wie mit Worten, die nicht ausgesprochen wurden. Denn immerhin sind sie ja einmal geschrieben worden. Kommen sie irgendwann einmal zurück oder an einer anderen Stelle zum Vorschein?

Vielleicht entstehen so die unzähligen Bücher, die jeden Tag bei BoD und Co. erscheinen? Oder die täglichen Nachrichten. Ja, all unsere Computer sind ja inzwischen miteinander vernetzt und vereinigen sich mit ihren ungenutzten Ressourcen vielleicht zu einem einzigen Supercomputer. Der ist praktisch immer online und zerlegt all die gelöschten Sätze wieder in Wörter und bildet daraus neue Sätze, die dann zu den Nachrichten werden, die wir dann in der Zeitung lesen oder die in Fernsehen und Rundfunk vorgelesen werden. Das kann nicht stimmen? Schließlich hätte Joe Biden ja nicht aus der Zeitung erfahren, dass er Präsident wird? Natürlich nicht. Er hatte es aus dem Fernsehen. Da hat auch Trump gesehen, dass er wieder zurück in seinen Golfclub muss. So sieht’s nämlich aus. Es hilft nichts, die Augen davor zu verschließen: Trump und Biden werden ferngesteuert und fremdbestimmt durch all das Gelöschte, das wir irgendwann einmal nicht mehr haben wollten.

Das ist aber eigentlich auch nicht weiter schlimm, denn wir sind nun mal weder Trump noch Biden, wenn es die beiden (!) überhaupt wirklich gibt. Über uns steht noch nicht so viel in der Zeitung, wonach wir uns dann richten müssen, was bei Jens Spahn schon wieder ganz anders aussieht. In dessen Haut möchte man jetzt auch nicht stecken. Geht ja auch gar nicht, schließlich steckt Jens Spahn schon drin und für zwei ist in so einer Haut viel zu wenig Platz.

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