Ich habe zwei Königskinder. Aber aller guten Dinge sind drei...
Der erste kam im ersten Frühlingsmonat an Im ersten Jahr der Pandemie als man zu Hause blieb, sich absonderte und nicht auf die Straße ging, außer man hatte einen Grund Damals begann sich vieles zu verändern Wir nähten Mund-Nase-Bedeckungen und fingen an zu gendern Ich duschte zweimal täglich, ja ich war ein armer Wicht Heute wasch' ich Hände und Gesicht Und alles andere nicht
Ich habe zwei Königskinder. Aber aller guten Dinge sind drei...
Die zweite kam zu uns, als noch Winter war Der Frieden wurde brüchig und der Krieg kam nah Die Sprache wurde rauher und veränderte mein Land Statt Sonnenblumen nahm man wieder Waffen in die Hand Und ich lernte jede Nacht und jeden Morgen Verdoppelt man die Probleme, halbieren sich die Sorgen Früher sah ich fern und schlief am Wochenende aus Heute muss ich jeden Tag früh raus Und gucke Sandmännchen und Sendung mit der Maus
Ich habe zwei Königskinder. Aber aller guten Dinge sind drei...
Winter, Frühling, Sommer ins Land gegangen sind Es wurde wieder Herbst und es kam das dritte Kind Er hat unsre heile Welt ins Gegenteil verkehrt Rituale und Routine war'n auf einmal nichts mehr wert Alte Sicherheiten schienen zu verschwinden Wir drifteten auseinander, mussten neu zusammenfinden Ein Nerv ist nicht aus Draht und ein Herz ist nicht aus Stein Und wenn es wehtut, muss man eben schrei'n Die Luft muss raus und die Milch muss rein
Ich habe zwei Königskinder. Aber aller guten Dinge sind drei...
Drei Kinder sind in diesem schweren Wetter meine Fracht Mein Leben gäb' ich kommen sie nur sicher durch die Nacht Sie erben von uns keine Immobilien und kein Geld Nur Träume und die Sehnsucht nach einer anderen Welt In der vielleicht nicht Milch und Honig fließen Aber wo Menschen einander helfen statt aufeinander zu schießen Ohne Kinder war es doch sehr schwer, das Leben zu versteh'n Und einen Sinn darin zu sehn Ohne Kinder war es nicht so schön
Ich habe zwei Königskinder. Aber aller guten Dinge sind drei...