Letzte Hoffnung

Jetzt habe ich mir durch meine schier unermüdliche Schreiberei eine Sehnenscheidenentzündung in der linken Hand zugezogen. Ausgehend vom linken kleinen Finger zieht der Schmerz zurzeit bis ins linke Handgeklenk. Man weiß ja wie das weitergeht. Als nächstes kommt der Ellenbogen und dann die Schulter. Dann ist Schluss. Der linke kleine Finger ist für A, Q und Y zuständig, offenbar Buchstaben, die ich übermäßig oft benutze. Nun zahle ich den Preis dafür. Wahrscheinlich werde ich bald überhaupt keine Wörter mehr schreiben können, die a, q oder y enthalten. Wer genau hinsieht, hat vielleicht schon eine seltsame Zurückhaltung bei q und y wahrgenommen. Nur aufs a kann ich derzeit noch nicht verzichten.

Freilich könnte ich stott a auch o schreiben. Beim Sprechen ist das hierzulande schon Gong und Gäbe. Monchmol auch u. Die Umlaute könnte ich problemlos weiter benutzen, do sie auf der anderen Seite liegen. Ober egol. Beim Sprechen würde ich in meinem oktuellen Hobitot nicht weiter ouffullen, ober geschrieben sieht es nicht schön ous. Bei den Doppellouten wird es gänzlich ungut. Nein, ich muss erst mal ganz normal weitermachen, auch wenn es wehtut. So wie Friedrich Merz. Der kann ja auch nicht einfach aufhören. So wie kein Bundeskanzler vor ihm so etwas etragen musste, hat auch kein Autor vor mir mit solchen Unbilden zu kämpfen gehabt. Schreibblockade, okay. Drogenabhängigkeit, geschenkt. Aber Sehnenscheidenentzündung - das habe ich noch von keinem Autor gehört.

Ist Merz eigentlich schon wieder aus dem Polarkreis zurück? Was soll er dann machen? Wahrscheinlich erstmal eine Pressekonferenz. Das Falscheste, was er jetzt anfangen könnte, wäre zu versuchen, sein Image wieder loszuwerden. Es wird nicht funktionieren. Statt dessen muss er die Rolle annehmen, mitspielen und darüber wieder ins Handeln kommen. Die Passionszeit ist ja nun für dieses Jahr leider durch, aber im nächsten Jahr ließe sich damit etwas anfangen. Was erwarten denn die Leute aber auch immer?! Mein Gott, er hat nun mal noch nie regiert! Er war noch nicht mal Bürgermeister. Er müsste jetzt Erfahrungen sammeln, reflektieren, zur Supervision gehen. Aber wenn sie ihn nicht lassen, wird die Politik wahrscheinlich ihr letztes Bollwerk gegen rechts und links selbst zerstören: Den Mitte Merz. Unsere letzte Hoffnung? Genau: Die "Frau gegen Blau"¹.


¹ Manuela Schwesig laut Streiflicht der Süddeutschen Zeitung vom 15.09.26

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politik schreiben gesellschaft

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