Lieber in den Wald

Wir haben das diesjährige Altstadt- und Edelweiß-Fest verpasst. Über Schwarzenberg gibt es ja die Sage, dass die Stadt von einem Drachen heimgesucht wird, der das Burgfäulein Edelweiß begehrt. Ein Ritter namens Georg nimmt es mit dem Drachen auf, tötet ihn und rettet so das edle Burgfräulein. Mit dem Altstadtfest werden nun Recke und Burgfräulein gebührend gefeiert. Ihnen zu Ehren wird auch gleich noch ein kleines sportliches Event veranstaltet, ein Lauf über 2,5km, 5km oder 10km. Nun ist mein nahezu tägliches Lauftraining in der Nachbarschaft nicht unbemerkt geblieben und es scheint nur eine einzige Rechtfertigung für regelmäßiges Lauftraining zu geben: Die geplante Teilnahme am Altstadt-Lauf.
Ich hatte dieses Ereignis aber zu keinem Zeitpunkt auf dem Schirm und die Vorstellung, inmitten startnummernbehängter schwitzender Leiber durch Altstadt, alten Eisenbahntunnel und Vorstadt zu rennen, ruft in mir Gefühle wach, die sich meiner bemächtigten, wenn ich eingeladen wurde, die Männersauna der Betriebssportgemeinschaft Stahl Hennigsdorf zu besuchen. Nein danke! Ich soll sogar in einem Shirt des Deutschen Läuferbundes gesehen worden sein. Vor Jahren habe ich mir mal Shirt und Laufhose bei Lidl gekauft. Die Marke ist nicht mehr lesbar, aber Deutscher Läuferbund war es nicht. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, woher meine Abneigung gegen organisierten Breitensport rührt, aber ich bin beim Laufen doch lieber mit mir allein.
Es ist mir schon ein bisschen unangenehm, wenn ich an einem Schrebergarten vorbeirenne, in dem gerade jemand am Zaun steht. Ich fürchte dann immer, man wird vielleicht den Krankenwagen rufen. Ich sehe beim Rennen nicht gut aus. Ich weiß das, weil ich mich in den Scheiben der parkenden Autos sehen kann. Das ist aber noch gar nichts gegen das Keuchen, das von meinem Herannahen kündet. Sie würden mich bei einem Wettkampf ganz sicher aus dem Rennen nehmen und erst mal Blutdruck messen. Lasst sie also auch im nächsten Jahr ohne mich durch die Altstadt rennen. Ich gehe lieber in den Wald. Solange er noch steht.
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