Mach' was!
Mein selbstklebender Kabelkanal hat natürlich nicht lange gehalten. Wir waren ein Wochenende außer Haus. Als wir wiederkamen, lag er auf dem Fußboden. Was soll ich machen? Ich habe ihn wieder angeklebt. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Das war zwar ärgerlich, aber nicht besonders aufregend. Aufregend war, als sich das jüngste Kind im Klo eingesperrt hat. Mein persönlicher Albtraum. Die Klotür lässt sich von innen mit einem Drehgriff verriegeln, der sich nicht von außen betätigen lässt. Als unsere Tochter so klein war, habe ich das Schloss blockiert, aus Angst, dass sie sich einsperrt. Dann kam mal Besuch und ich habe die Blockierung entfernt und nicht wieder eingesetzt. Und jetzt lag das Kind im Brunnen, beziehungsweise steckte im Klo fest.
Ich hatte schon oft darüber nachgedacht, wie man im Ernstfall vorgehen müsste. Ohne Ergebnis. Die Tür hat ein Glasfenster, das man einschlagen könnte und vielleicht käme man dann an den Drehgriff heran. Vielleicht aber auch nicht. Außerdem wäre die Verletzungsgefahr wegen der Glasscherben zu hoch. Das gleiche bei der Option, übers Dach zum Fenster zu klettern, das natürlich angekippt war. Die Feuerwehr kriegt sowas auf. Das schien die einzige Möglichkeit: Ich müsste die Feuerwehr rufen.
Das würde wahrscheinlich teuer werden. Inzwischen wollte das Kind dringend wieder aus dem Klo heraus und bekam Panik. Meine schöne Frau kam mit einer Feinmechaniker-Zange. Dann bemerkte auch sie, dass sich die Tür auf konventionelle Weise nicht öffnen lassen würde. Ich saß in einer Ecke zusammengesunken und weinte um unser Kind.
MACH WAS!
Ich erhob mich.
Wenn meine schöne Frau "Mach was!" sagt, muss ich was machen. Ich schrie "Weg da!" und trat gegen die Tür. Es knackte. Noch mal. Die Tür flog auf. Das Kind flog auf den Rücken. Die Tür war angeknackst, der Kleine hatte eine Beule am Hinterkopf, aber wir waren wieder zusammen. Am Leben und gesund.
By
liedersaenger.de on