Meine Geschichte mit der Kirche

Auf einem bewaldeten Hügel stehen mehrere historische Gebäude mit Turm- und Schaftdächern, darunter ein weißer Turm mit spitzem Dach und ein Kirchturm mit Zwiebelhaube. Im Vordergrund Reihenhäuser mit dunklen Dächern; darüber großer Himmel mit dichten, teils aufgewühlten Wolken.

Meine schöne Frau ist mit den Kindern beim Erntedank-Gottesdienst und ich nicht. Das ist doch ein schöner Anlass, über meine Geschichte mit der Kirche plaudern. Am besten dort, wo das Gesangbuch Henkel hat. Also: Während meiner Kindheit waren wir nicht so oft in der Kirche, was vielleicht daran lag, dass unser Vater sonntags oft mit dem Sportverein zu Wettkämpfen unterwegs war. Mein Bruder war da wahrscheinlich auch dabei und ich ebenfalls eine zeitlang. Mit elf Jahren trat ich dann selbst in einen Sportverein ein, der sonntags seinen Haupt-Trainingstag hatte.

Zur Christenlehre bin ich aber seit der zweiten Klasse gegangen. Das kam, weil ich Fragen gestellt hatte. Ich hatte das Kindergesangbuch meines Bruders gefunden, auf dessen Einband ein "fast sadistisches Standbild von einem Mann an einem Lattengerüst" gedruckt war, wie Herrmann van Veen es später einmal ausgedrückt hat. Meine Mutter sagte dazu nichts und schickte mich zur Christenlehre. Dort lernte ich alles, was ein braver Christenmensch wissen muss und wurde schließlich auch konfirmiert. Danach ging ich zur Jungen Gemeinde, auch noch, als ich schon die Lehre abgeschlossen hatte und berufstätig war. Mir gefiel die Junge Gemeinde so gut, dass ich mir vorstellen konnte, sie zu meinem Beruf zu machen.

Der Kirchengemeinde gefiel das auch und so kündigte ich meine komplette realsozialistische Existenz und wurde kirchlicher Mitarbeiter. Natürlich absolvierte ich später auch eine entsprechende Ausbildung und machte weiter Junge Gemeinde. Daraus wurde dann irgendwann Offene Jugendarbeit und schließlich Behindertenarbeit beziehungsweise Eingliederungshilfe. Zwei Dekaden war ich Mitarbeiter einer großen diakonischen Einrichtung und Glied einer lebendigen Werkgemeinde. Dann war ich selber daran: Ich traf meine schöne Frau, wir heirateten, zogen zusammen, bekamen Kinder und beruflich fand ich keinen Einstieg mehr bei der Kirche. Unser Kontakt zur hiesigen Kirchengemeinde beschränkt sich bislang auf ein paar Gottesdienstbesuche. Von 'Gemeinschaft' kann man da noch nicht sprechen. Aber das kann sich ja noch entwickeln und mit Blick auf die Kinder wäre es mir lieber, als Feuerwehr oder Fußballverein.

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📝 2026-10-04 20:37