Mission impossible
Manchmal ist man nicht ganz bei Trost und dann trifft man Entscheidungen, die alles verändern. Aber die Zeit heilt alle Wunden, sagt man und auch der längste Urlaub ist irgendwann zu Ende. Sonst wäre es keiner.
Wir trennen uns. Heute. Vielleicht bleiben wir noch eine kurze Weile zusammen, aber dann geht jeder seiner Wege. Meine schöne Frau fährt mit den Kindern zu den Großeltern und ich fahre mit zwei älteren Herren wandern. Damit ich mir keine zu großen Sorgen machen muss, bringen die beiden ihre Ärztin mit. Eine Augenärztin zwar, aber mit den Augen fängt es ja an. Dann kommen die Ohren und - aber nein, das will wirklich keiner wissen, wie es dann weiter geht. Es ist doch wirklich ein wenig unglücklich eingerichtet, dass der Zeitpfeil der Onthogenese unerbittlich und unabänderlich auf Siechtum und körperlichen Verfall ausgerichtet ist.
Dabei lässt es sich auch andersherum denken, wie in der seltsamen Geschichte über Benjamin Button. Benjamin Button wird als Greis geboren, kommt zu Kräften und entwickelt sich zu einem stattlichen jungen Mann. Aber dann wird er wieder unselbständiger und hilfsbedürftiger, bis er als Baby... Ja, an den entscheidenden Stellen setzt meine Erinnerung leider immer aus. Er kann ja schlecht in den Uterus seiner Mutter zurückkehren, die lebt dann ja wohl nicht mehr. Ich glaube, seine Frau betreut und pflegt ihn zuletzt als Baby, bis er dann in ihren Armen stirbt. "Wenn der Mensch eine Mutter hätte, die ihn aufnähme am Ende..., wie leicht wäre dann das Sterben." Das soll Schopenhauer mal so rausgehauen haben.
Vom Ende her betrachtet, ist es also scheinbar ganz egal, wie herum man sein Leben leben muss. Ob man nun so herum senil und unselbständig wird oder anders herum - was soll's? Ich wollte ja auch eigentlich über die Trennung von meiner lieben Familie schreiben, die nun für die nächsten paar Tage ohne mich klarkommen muss. Großeltern hin oder her, es wird hart für sie werden. Aber ich habe einen Freundschaftsdienst zu leisten, das sollte man auch nicht vernachlässigen. Gerade in meinem Alter! Ob ich meine Schreibutensilien in meinem schmalen Wandergepäck unterbringen konnte, wird man morgen lesen. Oder eben nicht.
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