Mutter, Vater, Himmelfahrt

Es ist schon ein bisschen schade, dass aus Christi Himmelfahrt nun doch landaus, landein der "Vatertag" geworden ist. Es ist fast so, wie mit dem 9. November, der vielfach umgedeutet wurde. Hitler machte aus dem Tag der Novemberrevolution (1918) den Gedenktag für die Bewegung (gescheiterter Putschversuch 1923), die Antifaschisten und Nazi-Verfolgten dann den Gedenktag an die Novemberpogrome 1938, der wiederum mit dem Jahrestag des Mauerfalls 1989 überschrieben wurde. Bloß nicht nach(ge)denken. Christi Himmelfahrt könnte nun zumindest für einen, der sich noch in der Kirche verwurzelt fühlt, eine Bedeutung haben. Aber Vatertag? Oder besser noch Männertag - was soll das?
Mit der Himmelfahrtsgeschichte, über die wenigstens in den Kirchen heute gesprochen werden sollte, beginnt die Apostelgeschichte. Die Jünger stehen auf dem Ölberg und starren nach oben. Und plötzlich sind da zwei Männer in weißen Gewändern die sie fragen, wieso sie eigentlich die ganze Zeit in den Himmel glotzen. Sie sprechen die Jünger an mit "Ihr Männer aus Galiläa!" und erinnern sie damit daran, wo sie eigentlich hingehören. Was da oben im Himmel vor sich geht, ist nicht ihre Sache, sondern was in Galiläa passiert, darum sollten sie sich kümmern.
Leider hat die Kirche sich aber schon immer viel mehr für den Himmel interessiert, als für Galiläa oder die Ukraine oder auch nur für die Uckermark. Haarsträubende Dogmen über Engel und ihre Hierarchien hat sie ersonnen und aus diesen Fantastereien heraus Torheiten und Eseleien verkündet, die so manches brave Menschenkind um sein Seelenheil gebracht haben. Da dürfte es ihr ganz gut in den Kram passen, wenn darüber nicht weiter nachgedacht wird und Väter mit Bollerwagen und Krückstock bierdünstend und grölend durch die Städte wanken. Als ob die Vaterschaft irgendeine Leistung wäre. Wenn also schon nicht mehr über den ursprünglichen Auftrag der Kirche nachgedacht werden soll, dann sollen sie doch den Muttertag auf Himmelfahrt legen. Das wäre mal ein Beitrag!
Apostelgeschichte 1, 9-11
9 Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen. 10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. 11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.
By
liedersaenger.de on