Ohne Worte
Manchmal wünschte ich mir eine Quelle zu sein
Und der Durstige kommt und kehrt bei mir ein
Schöpft aus dem Vollen das sprudelnde Nass
Füllt sich seinen Becher, füllt sich sein Fass
Statt wie ein schäbiger Lautsprecher zu dudeln
Aus dem statt des Wassers nur Worte sprudeln
Man sagt ja, dass Worte ein Segen sind
Das ist aber alles gelogen, mein Kind
Ja, Worte sind Segen und Worte sind Fluch
Sie laut auszusprechen, ist fast ein Verbrechen
Sie gehören in ein Buch, sie gehören in ein Buch.
Du liegst auf dem Rücken, du liegst auf dem Bauch
Und lachen und weinen kannst du auch
Die Handykamera nimmt alles auf und
Wartet auf das erste Wort aus deinem Mund
Du machst dir keine Vorstellung, wie Worte zerstör’n
Du könntest dich darauf beschränken, sie zu lesen, zu hör’n
Wenn schon Worte zwischen uns klingen
Dann, weil wir zusammen singen
Worte sind wie ein vermintes Gebiet
Betreten verboten, Tummelplatz für Idioten
Sie gehören in ein Lied, sie gehören in ein Lied
Worte sind wie Wein
Sie müssen erst reifen, um genießbar zu sein
Fall’n sie zu schnell, im Augenblick
Holt sie keiner mehr zurück
Stell‘ dir vor, wir würden verstummen
Nicht mehr sprechen, nur noch singen und summen
Lachen und weinen, so wie du mein Kind
Ob wir dann wohl auch so zufrieden sind
Darum: wenn dein Vater spricht
Denke nach und glaub mir nicht
Und: an allen Worten ist nur etwas dran,
wenn man sie auch singen kann
Reden ist Schweigen und Silber ist Gold
Der Sinn aller Worte ist Erdbeertorte
Aber der Wagen der rollt, aber der Wagen rollt
Falls du oben keinen ifame siehst: Ohne Worte bei Mirlo anhören
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