Pils und Pilze
Ich sitze hier zwischen zwei alten Bauwagen in der Herbstsonne und hüte Schafe. Auf der Grünfläche rund um die Bauwagen leben eine Handvoll dieser genügsamen Tiere, die sich gerade ein Schattenplätzchen gesucht haben, wo sie offenbar ihre Mittagsruhe halten. Jetzt schauen sie aber alle zu mir und es sieht eher so aus, als würden sie mich beobachten. Niemand kann mit Sicherheit sagen, was in einem Schafskopf vor sich geht, wenn es einen so anschaut. Die Schafe gehören dem Schwippschwager meines Schwiegervaters, der hier unweit der Lübecker Bucht ein kleines Anwesen besitzt. Seine Wohnräume hat er wohlweislich so gebaut, dass sie von etwaigen Besuchern nur in demütiger Haltung, also mit gesenktem Kopf schmerzfrei betreten werden können.
Nach zwei Tagen hat man das drauf, aber vorher zahlt man Lehrgeld in Form von Beulen und Schrammen auf dem Schädel. Aber wenn man einmal seine Hochnäsigkeit aufgegeben hat, ist man auch bereit, verschiedene Aufgaben zu übernehmen, wie zum Beispiel das Hüten der Schafe oder auch das Bierholen. Letzteres ist ein mecklenburgischer Brauch, dem man sich als Gast nicht gut widersetzen kann, will man die Gastgeber nicht verärgern. Es ist auf jeden Fall zu empfehlen, gleich freiwillig das Hüten zu übernehmen, denn dabei kann man einfach nur dasitzen und sich beobachten lassen.
Mit dem Bierholen kann man dagegen leicht ins Laufen kommen, denn Bierholen muss man ständig, "wenn der Schnabel einmal nass ist", wie man hierzulande zu sagen pflegt. Es ist dann wie Luftholen. Mann nicht einfach damit aufhören und sagen: "Ach, ich hole morgen wieder." Darum ist es unbedingt zu empfehlen, so lange wie möglich mit trockenem Schnabel zu operieren. Dann hat man erst mal die Hände frei und kann zum Beispiel in den Wald gehen und Pilze finden. Es gibt noch Hallimasch, Hexenröhrling und Marone und als Würzpilz kann man gut und gerne einen Knoblauchschwindling mitnehmen. Steinpilz ist wahrscheinlich schon durch.
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