So ist das Leben
Der Mond ist schon wieder fast voll. Man sieht es nur nicht, weil dicke, schwere Wolken den Himmel verhängen. Aber dank der Wetter-App auf dem Smartphone weiß ich Bescheid. Noch zwei Tage. Ich hatte als Kind einen Optik-Baukasten, mit dem man sich ein Mondfernrohr zusammenbauen konnte. Ich konnte damit nichts Besonderes auf dem Mond entdecken. Außerdem stand das Bild auf dem Kopf. In der Beschreibung stand, bei einem Mondfernrohr wäre das egal. Das habe ich nicht verstanden. Es war in der Tat völlig egal, weil ich ja eh nichts erkennen konnte, aber das werden sie in der Beschreibung nicht vorausgesetzt haben. Wenn ich irgendetwas durch das Fernrohr auf dem Mond gesehen hätte und es hätte auf dem Kopf gestanden, hätte mich das schon gestört. Aber durch mein Fernrohr sah der Mond einfach nur genau so aus, wie ohne Fernrohr.
Ich weiß übrigens schon, dass ich über mein Mondfernrohr schon mal geschrieben habe. Das ist aber lange her. Ich würde gerne wissen, wie oft der Mond seitdem schon um uns herumgeflogen ist. Obwohl man den Mond heute wegen der dicken, schweren Wolken nicht sehen kann, weiß ich, dass es auf ihm keine Wolken gibt und dass es folglich auch nicht regnen kann. Es kann auch keine Stürme geben und kein bisschen Wind.
Das mag sich zunächst alles ganz toll anhören, ist es aber nicht. Wir brauchen den Wind genauso, wie Stürme, Regen und Wolken. Das ist höchst unbequem und wir wissen nicht, warum das so ist. Es scheint ja im Allgemeinen doch so zu sein, das alles, was unbequem ist, gut für uns ist, während alles Bequeme geradewegs in den Untergang führt. Gegen den Strom schwimmen, gegen den Wind fliegen, den Berg hoch rennen. Gemüse essen. Gartenarbeit. Sich Fragen stellen lassen, auf die es keine Antworten gibt. Aushalten, keine Antwort zu kriegen. Alles höchst unbequem. So ist das Leben.
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