Stoff, aus dem die Mythen sind

Natürlich haben wir hier keine Sonnenfinsternis zu Gesicht bekommen. Die Sonne war schon über'n Berg, bevor sie sich verfinstern konnte und wahrscheinlich war sie auch schon untergegangen. Dank meiner schnell zusammengezimmerten Lochkamera sind zwar meine Augen heil geblieben, aber durch den Verzehr des Inhalts der Chipsrolle bin ich kalorienmäßig weit über's Ziel hinaus geschossen. Ich werde noch einige Male den Berg hoch rennen müssen, bis das wieder ausgewetzt ist. Mit der Lochkamera kann man die Sonne natürlich auch beobachten, ohne dass sie sich verfinstert. Ich habe noch nicht herausgefunden, ob die kleinere helle Kugel auf der Mattscheibe nun der Mond war, oder ein Konstruktionsfehler meiner obscuren Kamera.
Wenn es der Mond ist, der sich ja immer noch in Sonnennähe befindet, dann habe ich auf ihm einen kleinen schwarzen Fleck entdeckt. Das könnte alles Mögliche sein, die Venus zum Beispiel, die vor dem Mond vorbeizieht. Meiner Planetariums-App zufolge, befindet sich Venus aber gerade nicht vor dem Mond, sondern etwas unterhalb, näher am Horizont. Aber zusammen mit Merkur und Jupiter oberhalb der Sonne ergeben alle zusammen eine schöne Perlenkette. Sogar der Löwe ist vorbeigekommen und schaut sich das an.
Wir können uns also noch auf einiges gefasst machen. Nicht, dass ich unter die Sterndeuter gegangen wäre, aber das Jesuskind wurde ja seinerzeit auch durch eine besondere Planetenkonstellation angekündigt. Dass die Sonne im Sternbild Löwe steht, ist in diesen Augusttagen keine Überraschung. Wenn sich Merkur und Jupiter begegnen, könnte das schon etwas bedeuten. Merkur entspricht dem griechischen Hermes, ist also der Götterbote. Jupiter ist nach wie vor der Chef. Auf der anderen Seite der Mond, der gerade die Sonne verfinstert hat und dann Venus, die Liebende. Das ist der Stoff, aus dem die großen Mythen sind:
Als das Licht der Liebe zu verlöschen drohte, rief Zeus den Götterboten Hermes zu sich und sprach: ...
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