Unser Garten
Ich habe die Gefahr einfach nicht erkannt. Ich dachte, sie lauert in Gestalt einer Kröte in der Grube für den Wasseranschluss oder als sonst irgendwas im Kellergewölbe des Gartenhauses. Weit gefehlt. Nirgends ist es sicherer als dort. Die Gefahr lauerte im Gewächshaus. In Gestalt von Tomatenpflanzen. Einen lieben Sommer lang haben sie sich von uns wässern lassen. Wir hätten stutzig werden müssen, dass keine Tomaten wuchsen. Die wenigen, die dann unschuldig in der grünen Hölle auftauchten, platzten sofort auf und verfaulten im Geäst. Spätestens als die Pflanze mit ihren Tentakeln durch die Dachluken kroch, hätte ich es merken müssen und hätte die Reißleine ziehen sollen.
Hätte, hätte, Fahrradklingel. Ich habe nichts gemerkt und nichts geahnt und so betrat ich, mich sicher wähnend und ohne Harm das Gewächshaus, als die vordere Pflanze ohne Vorwarnung über mich herfiel. Sie versuchte mir doch tatsächlich unten die Beine wegzuziehen, während sie oben meine Arme umschlang und auf dem Rücken zusammenzubinden suchte. Mir war klar, dass wildes Zappeln und um mich schlagen meine Lage nur verschlimmern und mein Schicksal besiegeln würde. Also begann ich damit, ganz langsam einen Arm aus der Umschlingung zu ziehen, während ich in tiefer Lage das Heidenröslein vor mich hin summte. Die Pflanze ließ tatsächlich locker und ich konnte fliehen.
Aber ich kehrte zurück und diesmal hatte ich eine Gartenschere mitgebacht. Mit ein paar wohlüberlegten Schnitten brachte ich das Ungetüm zu Fall und warf die leblosen, fingerdicken, fleischigen Fangarme des Gewächses durch die winzige Türöffnung. Sie türmten sich draußen mannshoch auf und doch schaffte ich an diesem Tage nur eine einzige Pflanze mit Stumpf und Stiel auszurotten. Was ich im nächsten Jahr in das Gewächshaus pflanze, weiß ich noch nicht. Vielleicht Salat. Die Kartoffeln sind jetzt jedenfalls auch geerntet und ich sehe keinen Anlass zur Beschwerde. Ich sollte dabei bleiben.
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