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Vorfreude, schönste Freude

Um 1800 war die Postkutsche das wichtigste Fernverkehrsmittel im Heiligen Römischen Reich und später in Sachsen und Preußen. Unter normalen Bedingungen betrug die Tagesleistung 40-60 km.

Um 1800 war die Postkutsche das wichtigste Fernverkehrsmittel im Heiligen Römischen Reich und später in Sachsen und Preußen. Unter normalen Bedingungen betrug die Tagesleistung 40-60 km.

Genau genommen und richtig betrachtet besteht das Leben heutzutage eigentlich nur aus sogenannten Urlauben und den Zeiten dazwischen. Dabei sind die Zwischenzeiten meistens länger und vor allem charakterisiert durch die Vorfreude auf die relativ kurze Zeit des Urlaubs. Dadurch werden die Zwischenzeiten, je näher der Urlaub heranrückt, zur eigentlichen Hoch-Zeit des Jahres. Wobei die letzte Woche vor dem Urlaub noch einmal drastisch an Lebensqualität verliert, weil irgendetwas immer bis zum Urlaub noch fertig werden muss und dann drei Tage lang eingepackt wird, was immensen Stress erzeugt. Weil man immer etwas in einem Zimmer liegen hat, in das man jetzt nicht hinein kann, weil dort Kinder schlafen und weil einen die wachsende Anzahl der im Weg stehenden Taschen erkennen lässt, dass nicht alle Sachen, die man mitnehmen will, ins Auto passen werden.

Mein seeliger Vater hat immer gesagt: Auto fängt mit "Au" an und hört mit "o" auf. Solange ich selbst kein Auto hatte, waren das leere Worte für mich, auf die ich geantwortet hätte: "Jetzt hör' schon auf mit deinen Gedichten und Lebensweisheiten!" wäre ich nur jemals dummfrech genung gewesen. Heute weiß ich, wie recht er gehabt hat. Außerdem durchschaue ich die Machenschaften der Autoindustrie, die die Marken erfunden hat, um die Wahrheit zu verschleiern. Manche Autos fangen seitdem zwar immer noch mit "Au" an, hören aber mit "i" auf.

Man muss sich nur klarmachen, was Reisen noch vor 250 Jahren bedeutet hat. Von Schwarzenberg/Erzgebirge nach Berlin wäre man mit der Postkutsche fünf bis sieben Tage unterwegs gewesen! Mit drei kleinen Kindern unmöglich. Noch vor fünfzig Jahren wären wir im Wartburg Tourist wahrscheinlich nachts gefahren, die Kinder ungesichert auf Luftmatratzen schlafend im Kofferraum. Heute sitze ich vergleichsweise bequem zwischen zwei Kindersitzen, die den Sicherheitsstandards einer Space X Rakete genügen würden. Was ganz und gar übertrieben und unnötig ist, solange ich dazwischen sitze. Denn dann fahre ich nicht.

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