Wenn nur die Liebe bleibt

Meine schöne Frau hat heute Hochzeitstag. Es ist der siebte. Kupferhochzeit. Ich habe gerade erfahren, was man seiner schönen Frau zu diesem besonderen Ereignis schenken kann. Eine alte angelaufene Kupferpfanne zum Beispiel, die wir dann gemeinsam blank putzen können. Außerdem, das wäre das Mindeste, sieben langstielige Rosen. Wo soll ich denn jetzt am Sonntag Rosen her bekommen? Hier kriegt man ja nicht mal frische Brötchen. Ich könnte ihr aber auch eine 7-Tages-Städtereise in eine Stadt schenken, die sie immer schon mal sehen wollte. Oder ein Gedicht mit sieben Strophen. Etwa nach der Art:
Meine liebe schöne Frau, ich liebe dich, du weißt's genau. Damit du weißt, es ist kein Traum, schau auf unsern Gummibaum. Den hab' ich, wie du wissen kannst vor sieben Jahren eingepflanzt. Er wuchs heran, schön anzusehen und wird bald in die Schule gehen.
Zu einer Hochzeit gehören aber immer zwei und darum habe ich heute auch Hochzeitstag. Und ich kann davon ausgehen, dass meine Frau sich mindestens ebensolche Gedanken darüber gemacht hat, wie sie mich an diesem besonderen Tag verwöhnen kann, wie ich es gerade tue. So ist es zum Beispiel Brauch, dass Ehefrauen ihrem Partner an diesem Tage eine wertvolle kupferne oder wenigstens kupferfarbene Armbanduhr schenken. Oder eine Zeitkapsel mit alten Briefen, die wir dann gemeinsam unterm Apfelbaum vergraben. Oder ein Whiskey-Set mit gravierten Kupferbechern. Das wäre doch mal was Originelles.
Aber jetzt mal ohne Quatsch: Sieben Jahre sind eine lange Zeit. Und: sieben Jahre sind schnell vergangen. Und: Es sollen noch sieben mal sieben Jahre hinzukommen, die wir gemeinsam bestehen wollen. Wir haben drei wunderbare und sehr besondere Kinder bekommen. Aber die werden schnell groß sein und dann haben wir wieder nur uns, so, wie ganz am Anfang. Und dann wollen wir bitte zusammen alt werden. Alt und grau. Schwach und hinfällig, meinetwegen. Steif und unbeweglich. Wenn nur die Liebe bleibt.
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