Wer dran glaubt, ist selbst schuld
Der Glasfasermann ist da. Er sieht ganz anders aus, als ich ihn mir vorgestellt habe. Als erstes will er den Glasfaser-Hausanschluss sehen. Der befindet sich in einem verschlossenen Kasten. Wo der Schlüssel dafür ist, weiß keiner. Vermieter und Glasfasermann ziehen wieder ab. Ich weiß nicht, was sie jetzt machen. Vielleicht bohren sie das Schloss auf? Ich glaube nicht. So, wie der Glasfasermann aussieht, wartet er hier bis zum Feierabend und fährt dann nach Hause, wenn der Schlüssel nicht auftaucht. Wenn er vorher sein Kabel duch das Telefonleitungsrohr zieht und dafür das Telefonkabel durchschneidet haben wir statt Glasfaser kein Telefon und kein Internet mehr.
Wer an den Glasfasermann glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann. Und an den Klappeerstorch. Dass der die Kinder bringt beziehungsweise die Geschenke. Bekanntlich ist das alles Mumpitz. Die Geschenke werden von den Eltern gekauft und die Kinder wachsen in der Gebährmutter. Genausowenig bringt der Glasfasermann das schnelle Internet. Das wir eigentlich gar nicht brauchen, wie ich ja schon geschrieben habe. Beim Telefonieren hilft es so gut wie gar nicht, weil wir erstens gar nicht so schnell sprechen oder hören können, wie es dann möglich wäre und weil zweitens schon alle Bekannten und Verwandten gestorben sind, die noch auf dem Festnetz angerufen haben.
Aber ich habe den Glasfasermann mit eigenen Augen gesehen. Zum letzten Mal vor zwei Stunden. Es war auch das erste Mal. Vielleicht war er doch nicht real? Wie ich noch darüber nachdenke, kommt er mit seinem Glaskabel aus Schacht für die Wasserleitungen gekrochen. Dann macht er seine Pause. Als er wiederkommt, klebt er sein Kabel an Wand und Decke mit schwarzen Isolierband-Kreuzen fest. "Sieht Scheiße aus" sage ich. Ja, aber er könne hier nicht bohren. Überall Stromleitungen. Ich soll Kabelkanal zum Ankleben kaufen. Dann schraubt er seine Buchse und sein Modem fest, gibt den Modeminstallationscode ein und guckt zu, wie sich die Fritz-Box selbst konfiguriert. Von den 1000 Mbit/s, die er mitbringen wollte, stehen weniger als 300 auf der Uhr. Aber wie gesagt, den Glasfasermann gibt es gar nicht. Wer dran glaubt, ist selbst schuld.
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