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Wer schreibt, der bleibt

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Mein goldener Ring ist verschwunden. Wenn ich nicht besser aufpasse, werde ich noch alles verlieren. Und am Ende mich selbst. 




Seit einiger Zeit beobachte ich eine Entwicklung, die mir ziemliche Sorgen macht. Und zwar werde ich systematisch ausgebremst und zwar bei scheinbar einfachen Handlungen wie zum Beispiel Musik anmachen. Schon klar, dass Musik anmachen heutzutage kein einfacher Vorgang mehr ist, sondern eine hochkomplexe Angelegenheit, aber es sollte doch trotzdem reibungslos funktionieren. Tut es aber nicht. Wenn ich mal eben Musik anmachen will, bin ich erstmal minutenlang damit beschäftigt, Geräte aus- und wieder einzuschälten, irgendwas neu zu verbinden, Passwörter einzugeben oder Batterien zu wechseln. Das ist doch nicht mehr normal! Wenn meine Frau dann doch etwas genervt mit zwei weinenden Kindern auf dem Arm guckt, wo ich mich herumtreibe, stehe ich meistens wie ein Dödel mit zwei Fernbedienungen in der einen und dem Handy in der anderen Hand im Wohnzimmer vor meiner offenen elektronische-Bauelemente-Schublade und sie kann sich dann nicht gleich erklären, was ich da eigentlich treibe. Ich kann es auch nicht.

Wenn man früher ein Radio angemacht hat, war es zwar auch nicht gleich an, aber man musste eigentlich nichts weiter machen, als warten. Desgleichen beim Fernseher. Das ist heute nicht mehr so einfach. Und immer dann, wenn man nur mal schnell mal was gucken will, vielleicht die Nachrichten, funktioniert es nicht. Bis man alles am Laufen hat, sind die Nachrichten vorbei und man guckt aus lauter Trotz irgendetwas abendfüllendes, worüber man sich dann so aufregt, dass man dann nicht einschlafen kann. Darum haben manche Menschen gar keinen Fernseher. Konsequent wäre eine Existenz als digitaler Totalverweigerer.

Das würde mir schon gut gefallen, wäre da nicht dieses seltsame Bedürfnis, etwas aufzuschreiben und es dann irgendwie veröffentlicht zu sehen. Als müsste ich mich selbst immer wieder mit einem gewissen Abstand anschauen, um mich zu vergewissern, dass ich existiere. Der Abstand entsteht, wenn ich etwas lese, dass ich selbst geschrieben habe. Es muss aber veröffentlicht sein, um in der Außenwelt zu existieren und nicht nur in mir selbst. Ich schreibe, also bin ich. Und: Wer schreibt, der bleibt.
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