Bagger gucken
Auf dem Nachbargrundstück haben sich alle Bewohner in ein gemeinschaftliches Bauprojekt hineingeschafft. Zur großen Freunde des Einjährigen, der darüber essen und schlafen vergisst.
Die Eigentümer unseres Nachbargrundstücks haben im Laufe der Zeit eine enorme Aktivität entwickelt. Am Anfang, unser ältestes Kind war gerade geboren, entstand das erste Fundament. Wir rätselten lange herum, was das werden könnte. Es wurde ein Hühnerstall. Dabei blieb es eine ganze Weile, bis der Hühnerstall abgetragen und an einer anderen Stelle des weitläufigen Grundstücks wieder aufgebaut wurde. Dann wurden dicke Bäume gefällt und schließlich ein neues Wohnhaus errichtet. Als nächster und vorerst letzter Bauabschnitt entstand eine Photovoltaik-Anlage. Im Zusammenhang dieser Arbeiten wurde der Maschinenpark deutlich erweitert. Es gab jetzt einen Traktor, einen Radlader und einen kleinen Bagger. Die Wege auf dem Grundstück werden mit einem Quad bewältigt.
Spätestens Freitag Mittag gerät dieser Maschinenpark nun in Bewegung. Dabei scheint es nur noch darum zu gehen, das alle Fahrzeuge auf dem Gelände herumfahren und beschäftigt sind. Für unseren Jüngsten ist das ein Fest. Er erklimmt alle Möbel, auf denen er zu einem der Fenster hochklettern kann, die auf das Geschehen gerichtet sind und lässt seiner Begeisterung freien Lauf: "Bagger, da!!" "Traktor!" "Quad!!"! Aber auch "Auto" und "Bus", denn die Straße liegt ebenfalls im Blickfeld.
Leider steht die Teilhabe an der nachbarschaftlichen Geschäftigkeit in der Pyramide über den Grundbedürfnissen wie Essen oder Schlafen. Wenn der "Bagger da!" ist, müssen wir "Bagger gucken!!" Ja, wir, denn ich kann mich nicht etwa anderweitig beschäftigen, wie zum Beispiel die Küche aufräumen oder auch nur diesen Text schreiben, sondern muss "mit Bagger gucken!" und bitte sehr auch an der entsprechenden Konversation teilnehmen. Sonst bin ich Spielverderber und gerne auch mal "Böser Papi!" Und das möchte ich natürlich nicht.
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