Ein bisschen mehr bewegen
Ich musste mich mal wieder bewegen. Jetzt, wo ich kaum noch zu Fuß in den Kindergarten gehe, fehlt mir etwas. In Markersbach gibt es ein Pumpspeichrwerk, um dessen Oberbecken es sich mit nur leichten Steigungen ganz bequem laufen lässt. Einmal rum sind drei Kilometer, da können auch Frau und Kinder mit Fahr- und Laufrad hinterherkommen und ich könnte sie zwei oder drei mal überholen. Der Vorschüler wollte mit seinem Fahrrad mit mir mitkommen. Na gut, sagte ich, dann müsste ich eben ein bisschen langsamer laufen.
Wir starteten gemeinsam und mein Sohn verschwand hinter der nächsten Biegung. Mir fiel sofort wieder die Durchquerung des Darßwaldes ein, ein Erlebnis aus unserem ersten Urlaub. Wir hatten noch kein Kind. Mit Fahrrädern sind wir zum Weststrand gefahren, dreißig Kilometer von unserer Ferienwohnung entfernt. Dann: Reifen platt. Bei mir. Ich sagte, ich wäre als Kind hier schon mit meinem Vater durch den Wald gejoggt, ich würde das schon schaffen. Meine schöne Frau solle nur zufahren. Sie fuhr und verschwand hinter einer Kurve. Ich merkte nach dem ersten Laufschritt, dass ich ja noch die Bleisohlen in den Schuhen hatte, die mich am Grunde der Ostsee halten sollten, während ich dort Muscheln sammeln wollte.
Wir sind damals den ganzen Weg unsere Fahrräder schiebend gelaufen. Wie damals meine schöne Frau, kam jetzt mein schöner Sohn wieder zurück und fragte, wo ich denn bliebe. Warum ich denn so langsam liefe. Ich konnte nicht antworten, weil ich schwer nach Atem rang. Am Ende haben wir die Spaziergänger aber überholt und sind ihnen noch einmal entgegen gefahren / gelaufen. Aber ich weiß jetzt, was ich zu tun habe: Ich muss mich wieder ein bisschen mehr bewegen.

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