Eisenbahngeschichten
Allein mit einer neuen Schreibmaschine ist noch nichts gewonnen. Das kann ich schon mal so hinschreiben. Genau gesagt ist noch lange nichts geschrieben, nur weil man sich ein neues Gerät angeschafft hat. Ja, selbst wenn ich eines dieser neuartigen Sprachmodelle damit beauftragen würde, mir jeden Tag einen Text zu liefern, den ich dann veröffentlichen könnte, würde das nichts nützen, denn ich hätte weiterhin nichts geschrieben. Dem Leser wäre vielleicht geholfen, was aber auch zweifelhaft ist und mir selbst gleich gar nicht. Ich habe das neue Gerät ja angeschafft, um ortsunabhängig schreiben zu können. Also unterwegs, in der Bahn. Die Bahn braucht für eine Strecke fünfundvierzig Minuten. Das könnte ich schaffen, wenn ich sofort nach dem Hinsetzen losschreibe.
Aber so läuft das nicht. Ich muss ja auch erst mal gucken. Und dann ist man ja nicht ständig in Schreiblaune und ob es möglich ist, in der Bahn in den Flow zu kommen, ist noch gar nicht raus. Es wird also ein Zusammenstückeln werden, ein Ruckeln und Zuckeln. Ein paar Sätze auf der Hinfahrt, ein paar Sätze auf der Rückfahrt. Und dann wird es immer noch nicht fertig sein und ich muss abends noch mal ran. Na, das kann was werden.
Oder ich fange wirklich immer gleich an und gucke und schreibe gleichzeitig. Das wäre dann mal was Neues. Eisenbahngeschichten. Ich schreibe hin, was mir gerade durch den Kopf geht. 'Gegenüber hat gerade eine sehr dicke Dame Platz genommen. Ich kann nicht hochgucken, denn wenn sie mich gerade ansieht, sehe ich ihr direkt in die Augen. Also muss ich immer weiterschreiben, auch wenn ich gerade gar nicht denken kann.' So wird es dann wahrscheinlich aussehen. Ich weiß auch nicht, ob morgens schon das Licht ausreicht, um zu schreiben, denn das Gerät hat keine Hintergrundbeleuchtung. Aber vielleicht hat ja die dicke Dame eine Leselampe dabei.
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