Gedankenschleifen und Bildkaskaden

Während ich ein bisschen verkrampft darüber nachdenke, was ich heute schreiben soll, fällt mir doch ein, wie das ganze Schreibprojekt eigentlich entstanden ist. Ich arbeitete Vollzeit in einer Einrichtung der forensichen Nachsorge und belastende Erlebnisse waren quasi das Tagesgeschäft. Wenn ich abends nach Hause kam, wurde ich regelmäßig die Bilder und Gedanken nicht los, die mit dem Arbeitstag verbunden waren und auch nachts verfolgten sie mich bis in meine Träume. Mein damaliger Chef war ILP-Therapeut. ILP steht für Integrierte Lösungsorientierte Psychotherapie und er klopfte und streichelte ein bisschen an meinem Arm herum und gab mir ein paar gute Ratschläge. Dann folgte eine grauenvolle Nacht aber am nächsten Tag begann ich mit dem Schreiben. Worüber war völlig egal, es durfte nur nichts mit der Arbeit zu tun haben. Das dauerte zwischen einer und zwei Stunden und der Knoten im Kopf begann sich zu lösen.
Dann machte ich einfach weiter, auch als ich keine belastenden Erlebnisse mehr hatte. Ich hätte fast vergessen, wie gut es gegen das Einrasten in Gedankenschleifen und Bildkaskaden geholfen hat, aber jetzt merke ich es gleich wieder. Es ist ein schönes Gefühl, wenn sich der Knoten löst, der sich gerade noch immer fester zusammenzog.
Es gibt aber auch eine musiktherapeutische Methode, die ich damals auch schon kannte und für die mein Zustand eine klare Indikation gewesen wäre. Es ist die Regulative Musiktherapie (RMT) nach Christoph Schwabe. Die RMT arbeitet sozusagen mit dem dreidimensionalen Wahrnehmungsraum aus eigenen Bildern, Gedanken und Gefühlen, der unmittelbaren äußeren Umwelt und Musik. Zwischen diesen Dimensionen lernt die Aufmerksamkeit oder Wahrnehmung im Verlauf der Behandlung immer freier und willkürlicher zu pendeln, so dass das anfangs gefürchtete Einrasten entweder nicht mehr als belastend empfunden wird oder ausbleibt. Und alle mitlesenden Musiktherapeuten bitte ich inständig um richtigstellende Kommentare, wenn ich, was RMT betrifft, etwas Falsches oder auch etwas Diskussionswürdiges geschrieben haben sollte.
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