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Obwohl alle wissen, wie es geht

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Nach einem eher finsteren Prolog wird es wieder etwas heller. Aber nur um die aufkeimende Hoffnung um so endgültiger zunichte zu machen.  Ich frage mich gerade, ob es wirklich eine Geste der Gastfreundschaft war, als dem Josef und der hochschwangeren Maria der Stall als Nachtquartier zugewiesen wurde. Wohl eher nicht, sondern Verachtung, Geringschätzung und Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal einer Fremden, sei sie nun schwanger oder nicht. Aber immerhin. Wenigstens ein Stall. Die Szene in Holz geschnitzt und richtig illuminiert nimmt man jedoch nicht als Skandal wahr, sondern sie lässt einen gemütlich werden und man fühlt sich recht behaglich in seiner gut geheizten Stube. Dafür gibt es aber gar keinen Grund, denn "der Mensch ist dem Menschen ein Wolf" und verspürt nicht im Geringsten Lust, auch nur seinem Nächsten etwas Gutes zu tun. Nach diesem etwas düster geratenen Prolog, heißt es nun die Kurve zu nehmen und wenigstens im Tonfall etwas versöhnlicher zu werden. Das fällt nicht schwer, denn die Geschichte geht ja so weiter, dass der Mensch, der unter den oben beschriebenen Umständen zur Welt kommt, keineswegs dazu verdammt ist, das, was ihm angetan wurde, auch wieder anderen anzutun. Er kann sich nämlich entscheiden, einen anderen Weg zu gehen. Den Spieß umzudrehen und statt Gleiches mit Gleichem zu vergelten, anderen so begegnen, wie man selbst gern behandelt werden möchte. Eine solche Haltung müsste letztlich dazu führen, dass der unseelige Kreislauf der Gewalt durchbrochen und Frieden, endlich Frieden möglich wird. Aber leider nimmt die Geschichte doch wieder eine andere Wendung. Der Mensch, der mit dieser Haltung den anderen begegnet, wird eher früher als später als Gefahr und Bedrohung für die bestehende Ordnung identifiziert, verfolgt, eingefangen und schlussendlich umgebracht. Wo kämen wir denn sonst hin? Eine Gesellschaft die auf Konsum ausgerichtet ist, kann Frieden auf lange Sicht nicht gebrauchen, denn es muss immer etwas kaputt gehen. Kaputt ist aber das Gegenteil von heil und wer heilen will, der stört. Daran wird sich nichts ändern, obwohl alle wissen, wie man es anstellen müsste.

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