Wohl bekomm‘s!
Ich muss mir neue Wanderschuhe kaufen. Die alten haben ihre Kilometer abgelaufen und würden vielleicht noch bei trockenem Wetter durchhalten. Aber ein bisschen Regen und aus dem Wandern würde Wassertreten. Aber vielleicht gehen sie ja doch noch mal. Es geht in diesem Jahr nämlich wieder ins Fränkische, zum Brauereiwandern. Brauereiwandern muss man sich vorstellen wie Männertag, nur ohne Bollerwagen. Man zieht von Brauerei zu Brauerei, um dann dort zu verweilen und das jeweilige Hausgetränk zu prüfen. Ich habe an einem solchen Pilgerweg schon einmal teilgenommen. Damals galt die Regel, dass die Wege zwischen den einzelnen Einkehren nicht zu lang werden durften.
Am Anfang mag das vielleicht noch keine Rolle spielen, aber wenn man seinen Prüfauftrag ernst nimmt, könnte man schon nach der zweiten Brauerei in einen Zustand geraten, der die Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehre ausschließt. Darum liegen die Brauereiwanderwege auch allesamt abseitig des öffentlichen Straßennetzes, was wiederum die Orientierung erschwert. Je länger nun die Wege, desto größer die Gefahr, sich zu verirren und wer will schon verirrte Brauereiwanderer haben, denen man vielleicht noch helfen muss. Wo die Wege durch besiedeltes Gebiet führen, ist man entlang der Route ohnehin nicht gut auf die Pilger zu sprechen und die Wirtinnen und Wirte geben keine Gebinde mehr zur Mitnahme heraus, weil diese leergetrunken zu oft in den Vorgärten der braven Bürger landen.
Für eine kleine Zwischenmahlzeit sind die fränkischen auch immer zu haben. Sie wissen aus leidvoller Erfahrung, wie schwer das Grünzeug wächst und wie schnell es welk und faul wird. Darum richten sie ihre Salate mit Wurst an, die als Geschmacksträger und Sattmacher gleichermaßen taugt. Wenngleich in Franken schwierig, findet man aber doch auch fleischlose Gerichte, wie zum Beispiel den Backstein. Dafür nehme man einen ganzen Romadur oder Limburger, übergieße ihn mit Öl und Essig und garniere nach Belieben mit frischen Zwiebelringen. Wohl bekomm's!
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